Gestern verabschiedete sich unser Ensemblemitglied Ingrid Bartz nach 33 Jahren am Theater Bonn mit einer umjubelten Liedersoiree, bei der sie von Igor Horvat am Klavier begleitet wurde.
In dieser Zeit engagierte sie sich auch lange Zeit intensiv als Ensemblesprecherin und die Kultur in Bonn. Darum danken auch wir Opernfreunde ihr für ihr Schaffen an der Bonner Oper.
Vor dem Konzert nahm sie sich die Freiheit, zu den Überlegungen zur „Zukunft Bonner Bühnen“ ein paar Worte zu sagen:
Heute möchte ich von Herzen DANKE sagen, danke Theater Bonn, mit unglaublich tollen Mitarbeitenden, du warst für mich 33 Jahre künstlerische Heimat!
33 Jahre, in der sich die Stadt Bonn in einem ständigen Wandlungsprozess befand, der auch immer große Auswirkungen auf das kulturelle Geschehen dieser Stadt hatte und hat.
Und jetzt möchte ich hier ganz kurz die Gelegenheit nutzen, eine Botschaft für das kulturelle Leben dieser Stadt zu platzieren.
Liebe Verantwortliche, die über die kulturelle Zukunft der Stadt Bonn zu entscheiden haben, handelt besonnen, weise und zukunftsnachhaltig für diese Stadtgesellschaft! Sparen und die günstigsten Modelle zu entwickeln und durchzusetzen, bedeutet nicht zwangsläufig Geld zu sparen. Geld für die Kultur ist IMMER eine Investition in die Zukunft einer Stadt und seiner Region, Geld für Kultur ist auch immer ein Statement für Integration von Minderheiten, Völkerverständigung und Bildung und ist eine starke Möglichkeit der drohenden Verrohung der Städte massiv entgegenzuwirken.
Ich habe bei der Produktion von Spring Awakening, in der Koproduktion der Oper und des JTB, selber im JTB gespielt, und hautnah miterlebt, was es für junge Menschen bedeuten kann, sich in schwierigen Lebensphasen eine Rolle für die Bühne zu erarbeiten. Diese Jugendlichen haben dabei sich selbst gefunden und sind danach mit einer gestärkten Persönlichkeit aus der Produktion hervorgegangen und …. sie haben wiederum in anderen Jugendlichen etwas nachhaltig in Bewegung gesetzt und diese durch ihr eigenes Wirken stark berührt.
Und dies ist nur ein Beispiel von ganz ganz vielen. Die Häuser der Stadt Bonn, Oper und Schauspiel (und JTB), sind lebendige Organismen und in ihren jeweiligen Stadtvierteln, in den Herzen ihrer einzelnen Stadtteile verortet und da gehören sie auch hin! Ins Herz ihrer jeweiligen Stadtteile, nach Bonn, Godesberg und Beuel. (Beim Menschen operiert man ja auch nicht das Herz heraus und pflanzt es im Darm wieder ein.)
Also, liebe Stadt Bonn, handle weise und lass nicht nur das Geld und die Funktionalität entscheiden!
Liebe Bonner STADTGESELLSCHAFT, seid euch über den Wert eurer kulturellen Einrichtungen bewusst und verteidigt sie mit Stolz!
So, und nun gibt es endlich Musik…aus einer Zeit, die auch eine Zeit der großen Transformation war, ähnlich wie heute und die durch viel Mut und Freiheitsliebe geprägt war. Hört nun Geschichten, die von Hoffnung, Sehnsucht, Eifersucht, unerfüllten Träumen, tiefen Gefühlen, Affairen und skurrilen Begegnungen, erzählen und von großer, manchmal unerwiderter Liebe.
Viel Spaß

Rückblick auf 33 Jahre Oper Bonn durch Elisabeth Einecke-Klövekorn (Theatergemeinde Bonn)

Schlussapplaus mit stehenden Ovationen
