Verschiedenes

Elke Heidenreich über den Bonner Lohengrin

13.11.2018
Am Dienstag, dem 13. November 2018 hatten wir als Opernfreunde in Zusammenarbeit mit dem Richard-Wagner-Verband Bonn die Autorin Elke Heidenreich zu einem Vortrag über Richard Wagners Oper „Lohengrin“ in der Oper eingeladen.

„Zur Oper verführt“

Schon im Vorfeld zeichnete sich ab, dass das Foyer mit 200 Plätzen zu klein sein würde, die Zählkarten, die wir ausgegeben hatten, waren im Nu vergriffen. So trat die Oper die Flucht nach vorne an und machte ihrerseits Reklame mit der Veranstaltung in ihrem Leporello, aber auch im Bonner Generalanzeiger, mit dem Hinweis „Eintritt frei“.

Parkett und Hochparkett der Oper waren voll besetzt mit Opernfreunden und Wagnerianern, denen Frau Heidenreich aus dem Herzen sprach.

Sie schilderte eindrucksvoll ihre erste Begegnung mit der Oper- eine „Zauberflöte“ in Essen, die sie mit 13 gesehen hat, und die in ihr die Liebe zur anspruchsvollsten und überwältigendsten Kunstform, der Oper, geweckt habe. Sie verdanke der Oper  die Entrückung vom Alltag, außergewöhnliche Glücksmomente, die entstehen, wenn eine Oper – wie jetzt in Bonn der „Lohengrin“ von Richard Wagner - von einem sehr guten Orchester mit einem perfekten Ensemble und Chor unter einem aufmerksamen Dirigenten mit überlegter Regie, professioneller Lichttechnik und mit schönen Kostümen in der Kooperation von mehr als 200 Künstlern jedes Mal für 1.000 Besucher live aufgeführt wird.

Die Bonner „Elsa“, Anna Princeva, sei für sie die Idealbesetzung, eine bessere Darstellerin dieser Rolle habe sie noch nie gesehen. Auch die Inszenierung habe ihr sehr gut gefallen.

Der Luxus eines Opernbesuchs  sei für sie der Ausgleich für eine sehr karge und auf den Wiederaufbau ausgerichtete Nachkriegszeit gewesen, und sie habe seitdem Feuer gefangen und überall, wo es ihr zeitlich und finanziell möglich war, Opern besucht. Davon sei sie immer gefesselt gewesen. Sie sei auch nie raus gegangen, auch wenn Violetta deutlich übergewichtig, die Kulissen erkennbar aus Pappe oder die Inszenierung abartig gewesen sei. Nur einmal habe es ihr gereicht, als „La Traviata“ aus geöffneten Kanaldeckeln gesungen worden sei, da sei sie in der Pause gegangen.

Frau Heidenreich kennt die Bonner Oper schon als Baustelle. Sie war in den 60-er Jahren Schülerin des Bonner Clara-Schumann-Gymnasiums, und eine Freundin, die als angehende Architektin arbeitete, hat sie 1964 auf die Baustelle der 1965 eröffneten Bonner Oper eingeladen.

Frau Heidenreich ist der Bonner Oper sehr verbunden, sie kommt in viele Premieren und hat ausdrücklich für die Welt-Uraufführung von Jonathan Doves Oper „Marx in London“, am 9.12.2018 in der Oper Bonn, geworben.

Sie hat in Köln die Kinderoper maßgeblich gefördert, indem sie mit dem damaligen Direktor der Kölner Kinderoper, Christian Schuller, 19 Libretti  an den Bedarf von Kindern (nicht länger als eine Stunde und auf Deutsch!) angepasst hat. Dadurch hat die Oper in Köln viele Abonnenten gewonnen, die als Kinder mit ihren Eltern in die Kinderoper, damals noch in der Yakult-Halle im Foyer der Kölner Oper mit Platz für 13 Orchestermusiker, gegangen sind und zur Oper verführt wurden.  Über die Kinder kamen auch deren Eltern und viele andere Erwachsene erstmals mit der Oper in Berührung und blieben ihr treu.

Elke Heidenreich hat auch das Libretto für die Oper „Adriana“ von Marc-Aurel Floros geschrieben, die 2015 in Rheinsberg uraufgeführt wurde. Sie ist nicht nur Germanistin und Moderatorin, sie hat auch als Kind Akkordeon spielen gelernt und war lange Sängerin im Bach-Chor, sie kann Noten lesen und hat den Zuhörern erläutert, dass es gar nicht so einfach ist, auf eine vorgegebene Melodie einen gesungenen deutschen Text zu setzen, der dann auch noch gut klingt.

Frau Heidenreich erläuterte sehr kenntnisreich mit drei Tonbeispielen aus „Lohengrin“ (Vorspiel, Elsas Arie „Einsam in trüben Tagen“ und Frageverbot) Handlung und Musik und stellte dann zum Schluss mit dem Lied an den Abendstern aus „Tannhäuser“ den Bezug zum Dichter des Parzifal-Epos, bei dem „Lohengrin“ eine Nebenfigur ist, Wolfram von Eschenbach, her.

Frau Heidenreich hatte ihren schwarzen Mops  Don Vito Corleone dabei, ein sehr freundlicher Hund, der den Vortrag in der Künstlergarderobe verschlafen hat.