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Brief an den Chefredakteur des General Anzeiger Bonn

19.12.2010
vom Vorsitzenden der Opernfreunde Bonn e.V., Ferdinand Kösters

Sehr geehrter Herr Tyrock,

die Opernfreunde Bonn, ein Verein mit mehr als 500 Mitgliedern, betrachten mit Verwunderung die Berichterstattung des General-Anzeiger in letzter Zeit über das kulturelle Geschehen in Bonn.

Da findet zum Beispiel eine Kundgebung mit etwa 500 Beteiligten vor dem Opernhaus statt, auf der nicht nur die Vertreter des Bonner Theaters das Wort ergreifen, sondern auch Vertreter der Bühnen- und Künstlergewerkschaften. Dann setzt sich ein Protestzug durch die Innenstadt in Bewegung mit Transparenten und Geräuschinstrumenten, mit teilweise maskierten Sängern und Schauspielern, der den Feierabendverkehr in der Oxfordstraße zum Erliegen bringt, da werden dem Oberbürgermeister mehr als 20.000 Unterschriften überreicht – und der General-Anzeiger bringt ein Foto von Konrad Beikircher mit Nikolausmütze und einen Hinweis auf einige hundert Bürger, die im Stadthaus protestierten. Dazu wird Beikircher ein Einsatz für die Oper nachgesagt, obwohl es nicht nur um die Oper, sondern auch um das Schauspiel und andere kleinere Theater geht, etwa Contra-Kreis-Theater.

Wenn dies alles nicht berichtet wird, anderseits aber im Feuilleton Herrn Masur mit seiner Kritik wegen des Festspielhauses fast eine halbe Seite eingeräumt wird, stellt sich die Frage, wofür Ihre Zeitung eigentlich steht. In anderen Städten haben sich in der Vergangenheit bei drohenden Schließungen oder Kürzungen im Kulturbereich die örtlichen Presseorgane mit ihrem Feuilleton an die Spitze der Protestbewegungen gestellt, nicht so in Bonn, wo auch der Abdruck von Leserbriefen zum Thema Theater sehr zurückhaltend behandelt wird. Es ist ja schön, wenn Sie im Feuilleton in großer Aufmachung über Rockkonzerte in anderen Städten berichten oder ständig in überdimensionierter Form Kinofilme rezensieren, von einer Zeitung für Bonn sollten aber auch die in dieser Stadt wichtigen Dinge einer Erwähnung wert sein.

So bot das Theater Bonn zum Beispiel in der vergangenen Woche die Oper „Carmen“ in einer hervorragenden Zweitbesetzung sozusagen als B-Premiere – im General-Anzeiger kein Bericht!

Und schließlich sei auch noch auf zwei Aktionen in eigener Sache hingewiesen: auf unsere Aktion „Kinder in die Oper“ und auf unsere Aktivitäten gegenüber den Ratsorganen. Durch Spenden und Eigenmittel des Vereins haben wir wie im vergangenen Jahr etwa 100 Kindern aus Brennpunktschulen den Besuch der Oper „Hänsel und Gretel“ ermöglicht. Das war nicht nur Förderung der Jugendkultur, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Integration, denn viele der Schulkinder stammen aus Familien mit Migrationshintergrund. Und z.B. türkischen Kindern unsere Märchen und unsere Musik näher zu bringen, hätte wohl auch einmal eine Erwähnung in Ihrer Zeitung verdient. Auch über unsere Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden und Kulturpolitischen Sprecher der im Rat der Stadt Bonn vertretenen Parteien und das Schreiben an den Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, das für viele Kulturinteressierte sicherlich von Interesse gewesen wäre, wurde mit keinem Wort hingewiesen.

Ich habe hier nur einige Beispiele herausgegriffen, die in jüngster Zeit vorgekommen sind.

Wir würden uns wünschen, dass Ihre Zeitung sich nicht nur als „Zentralorgan für das Festspielhaus“ darstellt, eine Formulierung, wie sie an unseren Verein schon herangetragen wurde, sondern sich auch intensiv und mit Nachdruck für die Belange der gesamten Kultur in Bonn einsetzt und durch entsprechende Berichterstattung die Öffentlichkeit über die kulturellen Aktivitäten in Bonn umfassend unterrichtet.

Sollte es behilflich sein, können Sie dieses Schreiben auch gerne Ihrem Herausgeber zur Kenntnis geben.


Mit den besten Grüßen

Ferdinand Kösters