Im Rahmen der vom inzwischen verstorbenen Operndirektor Andreas K. W. Meyer konzipierten und viel beachteten Reihe Fokus ’33 – Forschungsreise zu den Ursachen von Verschwinden und Verbleiben – zeigt THEATER BONN die Oper „Die Ameise“ von Peter Ronnefeld. Dieses Werk des damals sehr jungen Komponisten wurde an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf im Oktober 1961 uraufgeführt und seitdem nur selten gespielt. Die letzte szenische Aufführung dieser Oper liegt mehr als 55 Jahre zurück.
Als Begleitveranstaltung zu „Die Ameise“ wurde am Samstag, dem 17. Januar der Dokumentarfilm über Peter Ronnefeld Jeder war mehr in seiner Gegenwart von Christian Reichart im Foyer der Bonner Oper gezeigt. Die Chefdramaturgin und Moderatorin des Abends, Polina Sandler, hatte den Regisseur eingeladen und als musikalischen Auftakt zum Film Marie Heeschen gewinnen können. Marie Heeschen, begleitet von Eva Marie Thiébaud (Flöte) und Michelle Papenfuss am Flügel, sang auf berührende Weise mit klarer Diktion Peter Ronnefelds Lieder aus zwei Liederzyklen. Vielen Dank dafür!
In dem Film erinnern sich viele seiner Freunde und Begleiter, unter anderem Nikolaus Harnoncourt, Gundula Janowitz, Aribert Reimann und Herbert Feuerstein, an den jungen, außerordentlich begabten Pianisten, Komponisten und Dirigenten, der mit 14 Jahren das erste Werk komponierte, mit 20 Dozent am Mozarteum wurde und mit erst 24 an der Wiener Staatsoper als Dirigent debütierte. Von 1961 bis 1963 wirkte er als Orchesterchef in Bonn, er war 26 Jahre jung als er „Die Ameise“ bei der Premiere in Düsseldorf dirigiert hatte. Nach Aussagen der Zeitzeugen lebte er sehr intensiv und genoss das Leben, als ob er wüsste, dass er nicht lange leben würde. Als sehr gefragter Dirigent, der leider in den letzten Jahren keine Zeit zum Komponieren hatte, erfuhr er mit 30, kurz bevor er daran starb, dass er unheilbar an Krebs litt.
Im Gespräch mit Polina Sandler nach dem Film erzählte Christian Reichart, der lange Jahre administrativer Leiter des RIAS Jugendorchesters war und deshalb Peter Ronnefelds Geschichte kannte, u.a. über eine Absage der Deutschen Oper Berlin, die zur Entstehung dieses Films in der finalen Form beigetragen hatte. Seine Begeisterung für Peter Ronnefeld und seine Musik übertrug sich sofort auf die Anwesenden. Auf zahlreiche Fragen aus dem Publikum ging er ausführlich ein und weckte den Wunsch nach weiteren Aufführungen der Werke Ronnefelds am Bonner Opernhaus.
Es ist zu hoffen, dass die erfolgreiche Inszenierung in Bonn, die Aufführungen in unserem Haus (bis zum 6. Februar) und der Film von Christian Reichart dazu beitragen, dass dieses wunderbare Werk und sein Schöpfer nicht in Vergessenheit geraten.

